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Es ist 8:45 Uhr. Um 9:00 Uhr beginnt das Kommunikations-seminar. Leise tönt sanfte Musik durch den großen hellen Raum. Die ersten TeilnehmerInnen treffen ein. Kommunikation als Thema der Weiterbildung, für die meisten jungen Nachwuchsführungskräfte des Energieversorgers ein neues Thema. Eigentlich kann ja jeder kommunizieren, wo ist also das Problem? Ein paar Techniken wären schon ganz gut. Aber das Unternehmen erwartet von seinen Führungskräften soziale Kompetenzen, die hier geschult werden sollen. | |||
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Was genau das sein soll, schauen wir mal! Man kennt sich zum Teil und begrüßt sich, setzt sich zu bekannten Gesichtern. Die Musik wirkt beruhigend, verstärkt aber auch das Gefühl des Ungewohnten. Irgendwie anders als der normale Arbeits- und Schulungsbetrieb. Gleich zu Beginn nach dem er sich kurz vorgestellt und alle herzlich begrüßt hat, bittet der Trainer alle aufzustehen. Statt der üblichen Vorstellungsrunde sollen sich alle im Raum in einer Linie aufstellen, alphabetisch sortiert nach Namen, dann nach Alter, Betriebszugehörigkeit und Ausbildung. Erwartungen und Befürchtungen für das Seminar werden abgefragt, notiert und auf die Metaplanwand gepinnt. |
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Spielerisch wird die nächste Runde eingeläutet. Thema: „Die vier Seiten einer Nachricht“ (Schulz von Thun). Der Trainer sitzt auf einem Stuhl, hat plötzlich eine rote Clownsnase auf. Offensichtlich sitzt er in einem Auto als Beifahrer. Im Teilnehmer-Publikum beginnen die ersten zu kichern. Nach einer Weile sagt er zum imaginären Fahrer: „ Die Ampel ist grün...“ Lachen bei den Teilnehmer/innen. Der Trainer wiederholt den einen Satz in verschiedenen Artikulationen und unterschiedlicher Körpersprache. Dann schiebt er die rote Nase auf die Stirn und fragt: „Was haben Sie | |||
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gesehen?“ Nun kommen unterschiedliche Wahrnehmungen und Interpretationen der kleinen Spielszenen. Der Trainer nutzt dann diesen Einstieg, um einen theoretischen Überblick über das Kommunikationsmodell: „Die vier Seiten einer Nachricht“ nach „Schulz von Thun“ zu geben. Anschließend werden vier Gruppen gebildet. Jede Gruppe zieht einen verdeckten Zettel mit jeweils einer Seite der Nachricht (Sache, Beziehung, Appell, Selbstoffenbarung) und bekommen die Aufgabe dazu eine kurze Spielszene zu entwickeln. Nach anfänglichem Zögern wird schnell mit viel Spaß an der Aufgabe gearbeitet und anschließend mit noch mehr Spaß gespielt und zugeschaut. Die Auswertung ergibt, dass das theoretische Modell durch die Beschäftigung mit der Szenenentwicklung durchdrungen und verstanden wurde. Nach der Mittagspause
sollen alle durch den Raum gehen, sich wahrnehmen, sich begegnen, begrüßen
und in kleinen Gruppen gegenseitig zu Statuen zusammenbauen. Die allgemeine
lockere Stimmung, das viele Lachen den ganzen Morgen hindurch macht es
auch den Zögerlichen einfach, sich zu beteiligen. So gibt es auch
kein langes Stocken bei der Aufgabe, jeweils in 3er Gruppen eine typische
schwierige Kommunikationssituation aus dem Alltag als Standbild vorzuführen.
Bei der Vorführung gibt es auch wieder viel Heiterkeit, ohne dass
sich jemand entblößt fühlt. Die Statuen werden interpretiert,
die Bedeutung der Körpersprache hervorgehoben. Durch minimale Änderungen
in Haltung und Stellung entstehen neue Bedeutungszusammenhänge, die
sofort jedem klar werden. Nun werden im Brainstorming schwierige Situationen aus Beruf und Alltag gesammelt, die jeder einmal erlebt hat. Es kommt eine Menge zusammen und vier Themen werden ausgewählt. Diese vier in kurzen Stichworten erläuterten Situationen werden von kleinen Gruppen zu Spielszenen aufgearbeitet. Anhand einer Checkliste und der Unterstützung des Trainers wird jeweils eine Szene entwickelt, die der erlebten möglichst nahe kommt. Eine Szene nach der anderen wird vorgespielt. Unter der Regie von Paul Diebel wird an den Szenen so lange gefeilt, bis eine Lösung, die alle zufrieden stellt, gefunden ist. Auch die Zuschauer/innen bringen sich ein, bringen eigene Vorschläge ein oder tauschen sich als Spieler ein und probieren alternative Handlungsmöglichkeiten aus. Es ist eine gespannte und intensive Atmosphäre im Raum. Jede/r kann für sich neues, Erfolg versprechendes Verhalten proben und direkt spüren, wie es sich auf ihn selbst und die Kommunikation auswirkt.
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