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„Wir haben ein ungewöhnliches Experiment gewagt, das ein durchweg positives Echo fand. Das Medium "Unternehmenstheater" hat sich auch bei uns als hervorragend geeignetes Mittel herausgestellt, die Veränderungsbereitschaft der Mitarbeiterschaft zu fördern und die Veränderungsprozesse zu begleiten.“
(Frank Faltin von der Steuerungsgruppe der Hamburgischen Landesbank)

 Auf der Bühne steht der  Kapitän mit einem  selbstgebastelten  Steuerrad. Das Deck wird  vom Leichtmatrosen  geschruppt. Emsige,  routinierte Geschäftigkeit  an Bord. Plötzlich ein  Schrei: „Mann über  Bord!!!“
 Hektisches Hin- und  Herlaufen, verzweifelte  Versuche das Richtige zu  tun...


So beginnt die erste Szene einer Präsentation mit Unternehmenstheater auf einer Informations-Veranstaltung der Hamburgischen Landesbank. Die Abteilung Organisation/Informatik ist versammelt, um sich über die Ergebnisse und die Maßnahmenplanung verschiedener Themengruppen zu informieren.


Diese Themengruppen wurden nach einer abteilungsinternen Neustrukturierung gebildet. Sie beschäftigen sich mit den Themen Führung, Dienstleistung, Qualität und Kundenorientierung sowie Kommunikation und Zusammenarbeit.


Vorspiel: Am Anfang stand die Powerpoint-Präsentation

Einige Monate zuvor wurde in einer ähnlichen Veranstaltung die Zwischenergebnisse der Themengruppen präsentiert. Trotz aller Mühe mit ausdrucksvollen Präsentationen über Beamer,  Moderationswänden auf einem Infomarkt blieb bei den Agierenden das Gefühl, die Mitarbeiter/innen nicht wirklich emotional erreicht zu haben. So kam die Idee auf, es doch das nächste Mal mit Unternehmenstheater zu versuchen. Die Mitarbeiter/innen sollen für die beschlossenen Maßnahmen gewonnen und wieder Energie in den Gesamtprozess gebracht werden.


Proben: Kreative Performance

In diesem Stadium des Prozesses geht es den beiden Berater/innen und Theaterpädagog/innen von Diebel Consulting, Paul Diebel und Gabriele Karst-Diebel darum, die Themengruppen für die neue Herangehensweise zu motivieren und einen entscheidenden Schritt weiterzubringen. Nach gemeinsamen Aufwärmübungen werden mit kreativen Methoden und Improvisationen Ideen für Performances entwickelt. Jede Themengruppe entwickelt für sich die entsprechenden Metapher, die sie für sich als das Optimale empfindet. Niemand wollte „Theater spielen“ aber alle sind eifrig dabei, Bilder zu malen, Ideen für Sketche zu entwickeln oder sich Quizfragen auszudenken. An einem zweiten Workshop -Tag werden die Ideen unter Regie umgesetzt und inszenierungsreif gemacht.
Während des gesamten Prozesses findet eine kontinuierliche Abstimmung über Inhalt, Ablauf und Aufgabenverteilung mit dem internen Steuerungskreis, Themengruppenleiter/innen, den Verantwortlichen für den technischen Ablauf (Bühne, Licht, Ton etc.) und Dokumentation statt.


 „Theater“ in der Abteilungsveranstaltung: Die Aufführung

An einem Freitag Nachmittag ist es soweit: Mal wieder eine Info-Veranstaltung mit den üblichen Reden und Präsentationen und dann ist Feierabend und Wochenende. Aber Bühne und Scheinwerfer wecken bei den etwa 140 Teilnehmer/innen  doch schon erstes Interesse. Nach sehr kurzen einführenden Worten geht es dann los:

1. Akt: Mann über Bord – eine Metapher über Kommunikation und Zusammenarbeit

Ein Schrei und der Ruf „Mann über Bord!“ und die Aufmerksamkeit aller ist da. Mit viel Witz, Spielfreude und hohem stimmlichen und körpersprachlichem Einsatz wird die Geschichte vom vermeintlichen Mord auf dem Kreuzfahrtschiff erzählt. Am Ende stellt sich heraus, dass mangelhafte Sicherheitsvorkehrungen verantwortlich für einen tragischen Unfall sind.
Wie gehen wir intern mit Kommunikationsstörungen und Konflikten um? Dazu dient die Geschichte als Metapher. Das Schiff als Bild für die Abteilung: Statt direkt miteinander zu reden, werden im Konfliktfall Vermutungen über dritte Nichtanwesende geäußert. Es fehlen klare Regeln über den Umgang mit Störungen.


2. Akt: Führung als Metapher, ein wahres Märchen von einem blühenden Königreich und eine mitreißende Performance

Eine Märchenerzählerin sitzt auf einem schweren Sessel allein auf der Bühne, beleuchtet von einer altmodischen Stehlampe.

Es ist absolut still im Saal und sie beginnt: „Es waren einmal ein König und eine Königin, die ein wunderbares Land regierten, in dem alle Untertanen harmonisch miteinander den Weinanbau betrieben, der reichliche Erträge einbrachte....“

Im weiteren Verlauf des Märchens erfahren die Zuhörer, dass es im Laufe der Zeit in diesem blühenden Land zu der einen oder anderen Unstimmigkeit kommt.

Es wird geerntet, obwohl die Trauben noch nicht reif sind, eben gesetzte Weinreben wieder herausgenommen und der Boden umgegraben.
Kurz er stellt fest: „Da muss sich etwas ändern!“ und beauftragt seine Fürstinnen und Fürsten, über geeignete Maßnahmen zu berat-


schlagen. Sie „ berieten sich mit der Bevölkerung, holten Meinungen von den weisen Eulen ein und stellten dem König die Maßnahmen vor:“ Das Licht geht aus und es ist zunächst wieder ganz still. Bis aus den Ecken des Saales ein leises Rascheln und Rasseln zu hören ist. Die Mitglieder der Themengruppe „Führung“ haben große Kartons mit verschiedenen Materialien befüllt, so dass sie beim Schütteln unterschiedlich klingen. Sie sind beschriftet mit Zielen und Maßnahmen, z.B.: „ Es gibt ein klares Führungsverständnis“ oder „Stärkerer Einsatz von Lob und Kritik“. Langsam bewegen sich die Führungskräfte in Richtung Bühne, der Rhythmus der Kartons wird immer prägnanter, bis zum Schluss alle auf der Bühne sind und der Saal begeistert mitklatscht.


3. Akt: Kundenorientierung und Dienstleistung –
Ein Millionenquiz

Szenenwechsel - Die Bühne ist leer bis auf einen Barhocker und einen Bistrotisch.
Eine Leinwand und ein Beamer werden vorbereitet. Jetzt kommt wohl die erwartete Powerpoint-Präsentation. Jedoch auf die Bühne springt ein smarter Moderator, Mitglied der Themengruppe Kunden-orientierung, Dienstleistung und Qualität.
Schwungvoll begrüßt er alle zum beliebten Quizspiel. Die Fragen werden über Beamer an die Leinwand geworfen. Die erste Frage lautet: „Was ist der Kunde? Kaiser, König, Graf oder Bettelmann? - Eine Antwort ist richtig“


Der Quizmaster geht in den Saal und sucht sich einen Kandidaten aus. Alle Anwesenden im Raum werden zu Mitspielern beim Theaterstück Millionenquiz. Und alle spielen begeistert mit. Beim Publikumsjoker wird abgestimmt, welche Antwort die richtige ist. Auf witzige Art und Weise werden die Anliegen der Themengruppe den Versammelten vermittelt. Niemand kann sich hier entziehen. Alle müssen mitlachen und mitdenken.



Nachspiel: Infomarkt nach der Performance

Die Performance ist zu Ende. Die Themengruppen bekommen viel Lob für ihre Darstellung, aber vor allem erreichen sie ihr eigentliches Ziel:
Das Interesse an der Entwicklung der Abteilungskultur ist weiterhin lebendig, die Energie der Themengruppen bei der Mitarbeiterschaft angekommen. Die Mitarbeiter/innen fühlen sich persönlich betroffen und sind motiviert, selber Veränderungen mit zu tragen und zu gestalten. Es wird viel nachgefragt und es kommen auch noch neue Anregungen und Ideen.